Essstörungen sind ernstzunehmende psychische Erkrankungen. Sie betreffen nicht nur das Essen, sondern oft auch das Verhältnis zum eigenen Körper, den Umgang mit Kontrolle, Scham, Stress und Selbstwert. Für Betroffene kann das bedeuten: Gedanken kreisen ständig um Essen, Gewicht oder Figur, Mahlzeiten werden geplant, vermieden, kontrolliert oder heimlich eingenommen, und das eigene Verhalten lässt sich zunehmend schwer steuern.
Wichtig ist: Eine Essstörung ist kein Lifestyle, keine Eitelkeit und keine Willensschwäche. Sie kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen. Besonders bekannt sind Anorexie, Bulimie und die Binge-Eating-Störung. Daneben gibt es atypische, gemischte oder nicht näher bezeichnete Formen, bei denen nicht alle typischen Merkmale gleichzeitig auftreten.
In der ICD-10 werden Essstörungen unter F50 eingeordnet. Die ICD-11 fasst sie als „Feeding or Eating Disorders“ und beschreibt unter anderem Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Symptom, sondern das Gesamtbild: Wie stark bestimmen Essen, Körper und Gewicht den Alltag, wie groß ist der Leidensdruck, und entstehen körperliche, psychische oder soziale Folgen?
Was ist eine Essstörung?
Eine Essstörung liegt vor, wenn Essen, Nicht-Essen, Essanfälle, Gewichtskontrolle oder die Beschäftigung mit dem Körper eine zentrale und belastende Rolle im Leben einnehmen. Das kann sehr unterschiedlich aussehen: Manche Menschen essen extrem wenig, andere erleben wiederkehrende Essanfälle, wieder andere versuchen nach dem Essen durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten oder exzessive Bewegung gegenzusteuern.
Oft ist von außen nicht sofort erkennbar, wie ernst die Erkrankung ist. Eine Person kann untergewichtig, normalgewichtig oder übergewichtig sein und dennoch deutlich erkrankt sein. Deshalb reicht der Blick auf das Gewicht allein nicht aus.
Welche Formen gibt es?
Zu den bekannten klinischen Formen zählen vor allem Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung. Bei Anorexie stehen meist starke Gewichtsabnahme, restriktives Essen und die Angst vor Gewichtszunahme im Vordergrund. Bei Bulimie kommt es typischerweise zu Essanfällen und anschließend zu gegensteuerndem Verhalten wie Erbrechen, Fasten oder Missbrauch von Abführmitteln. Bei der Binge-Eating-Störung treten wiederkehrende Essanfälle auf, meist ohne regelmäßiges kompensatorisches Verhalten.
Nicht alle Essstörungen passen eindeutig in eine dieser Kategorien. Atypische oder gemischte Formen sind häufig und können ebenso belastend und behandlungsbedürftig sein.
Woran erkennt man eine Essstörung?
Mögliche Warnzeichen sind eine starke gedankliche Beschäftigung mit Essen, Kalorien, Gewicht oder Figur, strenge Essregeln, heimliches Essen, Essanfälle, häufiges Wiegen, Vermeidung gemeinsamer Mahlzeiten, sozialer Rückzug, Scham oder starke Stimmungsschwankungen. Auch körperliche Hinweise können auftreten, etwa rasche Gewichtsveränderungen, Schwindel, Kreislaufprobleme, Verdauungsbeschwerden, Zahnschäden, Zyklusveränderungen oder ausbleibende Monatsblutung bei menstruierenden Personen sowie auffällige Erschöpfung.
Ein einzelnes Zeichen beweist noch keine Essstörung. Wenn mehrere Hinweise zusammenkommen oder der Alltag zunehmend vom Thema Essen und Körper bestimmt wird, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll.
Wie entstehen Essstörungen und welche Folgen können sie haben?
Essstörungen entstehen meist durch ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Eine Rolle spielen können zum Beispiel genetische Veranlagung, Selbstwertprobleme, Perfektionismus, ein starkes Kontrollbedürfnis, belastende Lebensereignisse, Konflikte, Diäterfahrungen, Sport- oder Leistungsdruck sowie gesellschaftliche Schönheits- und Körperideale.
Mögliche Folgen sind Mangelernährung, Kreislaufprobleme, Elektrolytstörungen, Herzrhythmusstörungen, Verdauungsbeschwerden, Zahnschäden, hormonelle Veränderungen, verminderte Knochendichte oder ausgeprägte Erschöpfung. Psychisch können Essstörungen mit Depressionen, Angststörungen, Zwängen, Suchterkrankungen, Selbstwertproblemen oder sozialem Rückzug einhergehen.
Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?
Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn Essen, Gewicht oder Körperbild den Alltag stark bestimmen, wenn Kontrollverlust, Erbrechen, extremes Fasten, exzessive Bewegung oder starke Gewichtsveränderungen auftreten oder wenn körperliche und psychische Belastungen zunehmen.
Bei Essstörungen ist Psychotherapie ein zentraler Baustein. Je nach Form, Alter, Schweregrad und körperlicher Situation können außerdem ärztliche Kontrollen, Ernährungsberatung, der Einbezug von Angehörigen oder eine ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlung sinnvoll sein. Bei akuter Selbstgefährdung oder medizinischer Krise sollte sofort Notfallhilfe in Anspruch genommen werden.
Essstörung
Anorexie
Anorexie ist geprägt von stark eingeschränktem Essen, ausgeprägter Angst vor Gewichtszunahme und einer oft verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers.
Essstörung
Bulimie
Bulimie zeigt sich häufig durch wiederkehrende Essanfälle mit anschließendem Gegensteuern, etwa durch Erbrechen, Fasten, Abführmittel oder exzessive Bewegung.
Essstörung
Binge-Eating-Störung
Bei der Binge-Eating-Störung treten wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust auf, meist ohne regelmäßiges kompensatorisches Verhalten danach.
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