Affektive Erkrankungen

Wenn Stimmung und Antrieb aus dem Gleichgewicht geraten

Affektive Erkrankungen sind psychische Erkrankungen, bei denen Stimmung, Antrieb und Aktivitätsniveau deutlich aus dem Gleichgewicht geraten. Das kann sich als anhaltende Niedergeschlagenheit, innere Leere und Erschöpfung zeigen, aber auch als ungewöhnlich gehobene Stimmung, starker Tatendrang, Reizbarkeit oder vermindertes Schlafbedürfnis.

Der Begriff ist ein Oberbegriff. Dazu zählen unter anderem depressive Episoden, wiederkehrende Depressionen, anhaltende affektive Störungen, manische oder hypomanische Episoden sowie bipolare Störungen.

Wichtig ist: Affektive Erkrankungen sind mehr als normale Stimmungsschwankungen. Entscheidend sind Dauer, Intensität und die Frage, wie stark Alltag, Beruf, Beziehungen, Schlaf, Denken und körperliches Befinden beeinträchtigt sind.

Was bedeutet „affektive Erkrankung“?

„Affektiv“ bezieht sich auf die Stimmung und das emotionale Erleben. Bei affektiven Erkrankungen ist diese innere Grundstimmung krankheitswertig verändert. Menschen können sich über längere Zeit niedergeschlagen, leer, hoffnungslos oder antriebslos fühlen. Andere erleben Phasen mit ungewöhnlich viel Energie, wenig Schlaf, gesteigerter Aktivität oder impulsiveren Entscheidungen.

In der ICD-10 werden affektive Störungen im Bereich F30-F39 beschrieben. Die ICD-10 ist ein international verwendetes Klassifikationssystem für Krankheiten. Ärztinnen, Ärzte und Therapeutinnen und Therapeuten nutzen solche Systeme, um Erkrankungen einheitlich einzuordnen. Die neuere ICD-11 verwendet für vergleichbare Krankheitsbilder den Begriff „Mood disorders“, also Stimmungserkrankungen. Dazu gehören vor allem depressive Störungen sowie bipolare und verwandte Störungen.

Welche Formen gibt es?

Zu den affektiven Erkrankungen gehören verschiedene Krankheitsbilder. Häufige Formen sind depressive Episoden, wiederkehrende depressive Störungen, anhaltende affektive Störungen, manische oder hypomanische Episoden sowie bipolare Störungen.

Bei einer Depression stehen meist Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und Erschöpfung im Vordergrund. „Unipolar“ bedeutet: Die Erkrankung verläuft vor allem in eine Richtung, nämlich in depressive Phasen.

Bei manischen oder hypomanischen Phasen zeigt sich dagegen oft das Gegenteil: ungewöhnlich gehobene oder gereizte Stimmung, deutlich weniger Schlaf, Rededrang, gesteigerte Aktivität oder impulsivere Entscheidungen. Eine Hypomanie ist weniger ausgeprägt als eine Manie und führt in der Regel nicht zu einer so schweren Beeinträchtigung oder Realitätsverkennung wie eine Manie. Eine Manie kann deutlich riskanter sein, den Alltag, Beziehungen oder Entscheidungen erheblich beeinflussen und rasche fachliche Hilfe erforderlich machen.

Bei bipolaren Störungen treten depressive Phasen und hypomanische oder manische Phasen im Krankheitsverlauf auf; Häufigkeit und Ausprägung können individuell unterschiedlich sein. „Bipolar“ bedeutet also: Es gibt zwei Pole der Stimmung. Die genaue Abgrenzung ist wichtig, weil Verlauf, Risiken und Behandlung anders eingeschätzt werden müssen als bei einer unipolaren Depression.

Woran kann man affektive Erkrankungen erkennen?

Mögliche Hinweise sind anhaltende Niedergeschlagenheit, innere Leere, Interessenverlust, starke Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit oder sozialer Rückzug. Auch körperliche Beschwerden können dazugehören, etwa Druckgefühl, Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder eine ausgeprägte innere Unruhe.

Auf der anderen Seite können Phasen mit auffällig viel Energie, deutlich weniger Schlaf, erhöhtem Rededrang, Reizbarkeit, Selbstüberschätzung oder riskanterem Verhalten wichtige Hinweise sein. Nicht jede Stimmungsschwankung ist krankhaft. Entscheidend sind Dauer, Intensität, Kontrollierbarkeit und die Auswirkungen auf Alltag und Beziehungen.

Warum ist eine genaue Einordnung wichtig?

Depression, wiederkehrende Depression und bipolare Störung können sich teilweise ähnlich anfühlen, brauchen aber eine unterschiedliche diagnostische und therapeutische Einordnung. Diagnostik bedeutet: Fachpersonen prüfen sorgfältig, welche Erkrankung wahrscheinlich vorliegt, welche Beschwerden dazugehören und welche anderen Ursachen mitbedacht werden müssen.

Besonders wichtig ist die Frage, ob es neben depressiven Phasen auch hypomanische oder manische Phasen gab. Denn eine bipolare Störung kann zunächst wie eine Depression wirken, wenn vor allem die depressiven Phasen auffallen.

Eine sorgfältige fachärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik hilft, Beschwerden nicht vorschnell als „Stress“, „Burnout“ oder „Charaktersache“ abzutun. Sie schafft Orientierung: Was liegt wahrscheinlich vor? Welche Risiken bestehen? Welche Unterstützung kann sinnvoll sein?

Wann sollte man professionelle Hilfe suchen?

Professionelle Hilfe kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden länger anhalten, wiederkehren oder den Alltag deutlich beeinträchtigen. Warnzeichen sind zum Beispiel sozialer Rückzug, starke Erschöpfung, Schlafprobleme, Konzentrationsverlust, Hoffnungslosigkeit, Kontrollverlust in Hochphasen oder Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.

Bei akuten Suizidgedanken oder Selbstgefährdung gilt: Bitte sofort den Notruf 112, die nächste psychiatrische Notaufnahme oder eine vertraute Person einbeziehen. In nicht lebensbedrohlichen akuten Situationen kann auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 eine Anlaufstelle sein.

Fachbegriff

Bipolare Störung

Wenn depressive Tiefs und ungewöhnliche Hochphasen den Alltag prägen, braucht es eine sorgfältige Einordnung.

Beschwerden fachlich einordnen lassen

Wenn Stimmung, Antrieb oder innere Stabilität über längere Zeit aus dem Gleichgewicht geraten, kann eine professionelle Einschätzung Orientierung geben. Sie müssen nicht bereits genau wissen, ob es sich um eine Depression, eine bipolare Störung oder eine andere affektive Erkrankung handelt.

Die Schlossparkklinik Dirmstein ist eine private Akutklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Wir unterstützen Sie dabei, Beschwerden fachlich einzuordnen und mögliche nächste Schritte zu klären.